Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

 

als ich mit der Imkerei begann, lernte diese zunächst ganz konventionell und "regelkonform". Das bedeutet, wir verwendeten Magazinbeuten, entnahmen regelmäßig Honig, verwendeten Absperrgitter, behandelten mit Ameisensäure oder mit Chemie, bei schwachen und pieksige Völker wurde die Königin getötet, unterbanden die Schwärmerei durch das Herausbrechen von Weiselzellen oder schnitten der Königin die Flügel.

 

In den meisten Imkervereinen schienen die Themen: Honigertrag, der Einsatz von Chemikalien gegen Varroamilben, Völkerverluste und die sogenannte „Leistungszucht“ vorrangig zu sein. Völkerverluste wurden stets als unnatürlich betrachtet – die Schuld bekam immer die Varroamilbe, das Wetter oder die in der Landwirtschaft eingesetzten Pestizide. Die eingefahrenen Strukturen in den Vereinen lassen eine schnelles umdenken nicht zu. Änderungen werden oft schon im schon im Keim erstickt. Die Biene als Nutztier zur Honigproduktion analog zur Viehwirtschaft so wird sie gesehen in den meisten Vereinen.

 

Seit Jahren beobachten Forscher den weltweiten Rückgang der Bienenpopulation mit Sorge. Oftmals werden Pestizide für das Sterben verantwortlich gemacht. Aber hat auch nicht der Imker mit Schuld? Schaut man mal Züchtern über die Schultern. Hier kommen Auswahlkriterien vor wie:

 

Die Biene darf nicht Schwärmen! Die Biene soll ein starkes Volk bilden! Der Bien soll 100 kg und mehr Honig eintragen! Die Biene soll nicht stechen! Der Biene soll den Stocksauber halten! Der Biene produziert große Brutfelder! Die Bine bleibt gesund, auch wenn sie nur für den Winter Zuckerwasser bekommt! Die Biene soll Varroaresistent sein! U.v.m.

 

Dieses sind alles Eingriffe in das Bienenvolk was Mutter Natur nicht vorgesehen hat. Züchter haben aus unserer Honigbiene ein Nutztier zur Massenhaltung gemacht. Ohne den Imker kann diese sogenannte "Leistungszucht" nicht mehr alleine Überleben. Wir halten die Bienen z.T. in Plastikbeuten (Styropor), in denen die Feuchtigkeitswerte viel zu hoch sind, geben ihnen den Wabenbau vor und zwar nicht nur die Baurichtung, sondern auch die Zellgröße. Wir entnehmen den Honig und tauschen diesen durch  Zuckerwasser aus. Wir transportieren sie z.T. in Felder, die aus riesigen Monokulturen (z.B. Rapsfelder) bestehen – obwohl wir wissen, dass dieses eine Mangelernährung bei den Bienen auslöst. Zudem werden die Bienen dort gezielt den Pestiziden ausgesetzt. Wir verhindern, dass sie Schwärmen und sich Selbständig teilen, zugunsten des Ertrags. Wir entscheiden über lebenswertes und nicht lebenswertes „Bienenmaterial“. Wir bestimmen damit, welche Verhaltensweisen unsere Bienen haben dürfen und in einigen sogenannten Reinzuchtvereinen, wird sogar die natürliche Fortpflanzung unterbunden, denn man maßt sich an, es besser machen zu können als 60 Millionen Jahre Evolution. Am Ende des Jahres quälen wir die Bienen mit Säuren, die uns Menschen bereits bei geringster Konzentration die Nasenschleimhäute verätzen. Zudem verwenden wir Neurotoxine, Arkazide, Repelentes etc. und erwarten, dass unsere Bienen dadurch nicht geschädigt werden. Tatsächlich ist es jedoch kaum vorstellbar, dass die hochsensiblen Fühler der Bienen keine Beeinträchtigung erfahren. Wenn ein Bienenvolk stirbt, dann ist das aus imkerlicher Sicht, ein unnatürlicher Prozess und nicht etwa auf die imkerliche Tätigkeit oder die Haltungsform zurück zu führen.

 

Fehlen darf natürlich auch nicht die Lobby der Pharma und Chemiekonzerne. Bei guter Bezahlung kommen „unabhängige“ Institute zu dem Schluss, dass Pestizide (wie Neonicotinoide) keinerlei Auswirkungen auf das Bienensterben haben. Diese Ergebnisse wurden veröffentlicht, als es in anderen Europäischen Ländern bereits ein Verbot für den Einsatz gab, denn dort kamen „wirklich“ unabhängige Institute zu ganz anderen Ergebnissen. Meines Erachtens bewegen wir und hier schon seit langen in einer Sackgasse.

 

Haben Sie den Fehler in diesem Sytem gefunden? Ich ja, es war das Lebeswesen hinter der Bienenbeute!

 

Mich haben all diese oben genannten Gründe und vieles mehr dazu bewegt auf die natürliche Bienenhaltung nach Demeter umzustellen. Intensiver Honigertrag war gestern, heute geht es um den Arterhalt, Bestäubungsleistung und Biodiversität!

 

Seit vielen Millionen Jahren meistert die Biene alle Herausforderungen und Veränderungen ihres Lebensraumes lassen wir es zu und mischen uns nicht ein. Bei guter Beobachtung können wir bestimmt einiges davon lernen.

 

 „Die Bienen brauchen den Imker nicht überleben, der Mensch aber die Bienen“.